Bächlitalhütte, 2.-3. August 2001: Esthers erste Übernachtung in einer SAC Hütte! (Karte)

Teilnehmerinnen: Esther Betschart, Claudia Betschart (Bericht)

am Start, bereit fuer's grosse Abenteuer
 
Blick vom Huettenweg zum Gelmersee, darueber die Diechterlimi zwischen Diechterhorn (3389m) links und Tieralplistock (3383m) rechts
 
Aufstieg gegen Baechliboden
 
kunstvoller Steinmann auf dem Huettenweg, im Hintergrund das Brandlammhorn (3108m)
 
Felsen, gelbe Blumen und gelbe Flechten
 
Baechlisboden, ganz hinten der Grosse Diamantstock (3162m), links das Brandlammhorn (3108m), und auf der Anhoehe hinter dem "See" die Baechlitalhuette (2328m)
 
wenig unterhalb der Huette, Blick zurueck auf den Baechlisboden
 
Baechlitalhuette, im Hintergrund der Grosse Diamantstock (3162m)
 
Equilibrium
 
Esther, im Hintergrund die Baechlitalhuette, gesehen vom Seelein
 
Spiegelung des Bruenbergs und der Baechlitalhuette im nahen Seelein
 
Blick taleinwaerts von der Baechlitalhuette, ganz hinten der Grosse Diamantstock (3162m), links das Brandlammhorn (3108m)
 
Baechlitalhuette von Westen, Blick talauswaerts
 
Bachueberquerung
 
Baechlitalhuette mit der "Quelle" (das Wasser wird unterhalb des Gruebengletschers im Nachbartal gefasst und durch einen Stollen ins Baechlital geleitet - von dort schliesslich in den Grimselsee)
 
Baechlisboden und anschliessende Felsen
 
Sonnenglitzer auf dem Baechlisboden
 
  Schon vor mehreren Jahren hatten es mir die kleinen Kinderrucksäcke im Sportladen angetan, diese Miniaturausgaben der richtigen Bergsteiger-Rucksäcke, mit Pickelschlaufen und allem Drum und Dran. Am liebsten hätte ich Esther sofort einen solchen Rucksack gekauft, auch wenn sie damals noch kaum aufrecht stehen konnte. Letzte Weihnachten war es dann endlich so weit. Das heisst, eigentlich sogar erst ein paar Wochen später, als wir zusammen mit Sämi und Andres nach Zürich fuhren, wo wir in verschiedenen Geschäften die Runde machten und schliesslich einen schönen blau-roten Rucksack (samt angehängtem Rentier) erstanden.
Aber eben, so ein Rucksack muss natürlich auch auf entsprechenden Exkursionen eingesetzt werden können! So ergab eins das andere und wir beschlossen, zusammen eine Wanderung zu machen, wobei wir wie die echten Bergsteiger in einer Hütte übernachten würden.
Im Sommer war die ganze Familie auf dem Hasliberg in den Ferien. Deshalb studierte ich die Karten der dortigen Gegend auf der Suche nach einer geeigneten Wanderung und Hütte, und wurde auch bald fündig: das Bächlital im Grimselgebiet und die gleichnamige SAC Hütte. Nach Karte und Hüttenführer schien der Hüttenaufstieg nicht zu lang und landschaftlich reizvoll. Als ich dann auf der Hütten-homepage noch den Hinweis fand, der Weg sei speziell auch mit Kindern geeignet, war der Entscheid gefallen.
Am 1. August fuhr ich im Laufe des Nachmittags auf den Hasliberg. Am nächsten Morgen wollten wir losziehen. Der Wetterbericht war für den Donnerstag noch gut, mit möglichen Gewittern am Nachmittag. Für Freitag war die Vorhersage nicht mehr so gut, bedeckt mit einzelnen Schauern oder auch Gewittern, vorallem am Nachmittag. Trotzdem wollten wir es wagen. Am ersten Tag würden wir schon vor den Gewittern in der Hütte ankommen, und am Freitag könnten wir dann den Abmarsch etwas nach dem Wetter richten.
Am nächsten Morgen standen wir also bezeiten auf. Ein strahlend blauer Himmel begrüsste uns. Kaum hatten wir uns den Schlaf aus den Augen gerieben, läutete schon das Telefon. Tata fragte, ob wir den Wetterbericht gehört hätten und ob wir trotzdem gehen wollten. Ja, wir wollten (Begründung siehe oben). Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von Irène und schlichen uns zusammen mit Andres aus dem Haus. Das entpuppte sich später als Fehler, da Sämi uns doch unbedingt auch hätte gute Reise wünschen wollen, und dann sehr enttäuscht war, als er aufwachte und wir schon weg waren. Andres hatte vor, den alten Weg vom Grimsel Hospiz bis Innertkirchen zu wandern (ein historischer Verkehrsweg) und fuhr deshalb mit uns Richtung Grimsel. Schon auf dem Hasliberg wäre beinahe etwas schief gelaufen, da die weitgereiste Gotte es schaffte, ins falsche Postauto einzusteigen (...und Andres auch nicht besser aufgepasst hatte). Zum Glück merkten wir es dann doch noch rechtzeitig vor der Abfahrt. Via Brünig erreichten wir Meiringen. In Meiringen ging Andres noch schnell einkaufen: einen roten Sonnenhut für ihn und Salzgurken für uns (das gehört für Esther halt einfach zum Picknick). Unterdessen besorgte ich die Billette und Esther kletterte auf dem Spielplatz beim Bahnhof rum. Dann gings im vollen, heissen Postauto Richtung Grimsel. Der Postautochauffeur gab auch Informationen zur Route. Zum Beispiel kommentierte er die neue, wenig tiefer liegende Strasse beim Bergsturzgebiet. Erst seit kurzem sei das Stück wieder geöffnet für den Verkehr. Bei der Handegg machte er uns auf das extrem steile Standseilbähnchen zum Gelmersee hinauf aufmerksam. Die Bahn wurde ursprünglich nur für die Kraftwerksangestellten gebaut und würde am nächsten Sonntag neu auch für das allgemeine Publikum geöffnet.
Beim Räterichsbodensee stiegen Esther und ich aus, und liessen Andres im Postauto zurück. Das war schon ein etwas seltsamer Moment, als Andres da einfach im Postauto davon fuhr und wir zwei alleine an der Grimselstrasse standen. Damit keine Zeit blieb für mögliche aufkommende Zweifel, marschierten wir gleich los, über die Staumauer auf die andere Seeseite. Ein starker Wind blies uns fast von der Mauer. Erst auf der anderen Seite hielten wir nochmals an, um Sonnenschutz einzustreichen und die Schuhe zu binden. Nachdem wir zweimal Esthers Sonnenhut nachrennen mussten, gaben wir den Kampf mit dem Wind auf und packten den Hut in den Rucksack. Nun konnte es also richtig losgehen.
Der Weg steigt stetig aber nicht allzu steil zuerst dem Bach entlang (der hier kaum Wasser führt), dann etwas weiter rechts ausholend, schliesslich wieder zurück zum trockenen Bachbett. Esther rannte fast den Hang hoch, so dass ich kaum mithalten konnte und sie immer wieder ermahnen musste, auf mich zu warten und ihre Kräfte etwas zu sparen. Je höher man steigt, umso mehr der umliegenden Berge werden sichtbar. Bald kann man auch den Gelmersee sehen und wenn man genau hinschaut sogar die Gelmerhütte ein gutes Stück oberhalb des Sees. Da wir uns hier schon über der Baumgrenze befinden, findet man kaum Schatten entlang des Wegs. Auf etwa 2000m schmiegten wir uns deshalb für eine kurze Rast an einen grossen Felsen, um wenigstens ein bisschen der heissen Sonne zu entkommen. Danach stiegen wir weiter auf dem hübschen Steinplattenweg, der zum Teil fast treppenartig durch dichten Farn und Alpenblumen führt, bis hinauf zum unteren Ende des Bächlisboden. Dieser flache Talboden ist mit kleinen Bächli fast bedeckt, so dass es fast wie ein ganz flacher See aussieht. Von hier aus konnten wir auf einer Anhöhe weiterhinten im Tal auch schon unser Tagesziel erkennen, die Bächlitalhütte. Die vom Gletscher flachgeschliffenen, mit gelben Flechten übersäten Felsen und die dazwischen liegenden Grasflächen voller gelber Blumen luden zum Verweilen ein. Also setzen wir uns wieder in den spärlichen Schatten unter einem Felsband und packten unser Picknick aus.
Aufgrund der Karte hatte ich mir vorgestellt, dass man an diesen vielen Bächli wunderbar spielen könnte. Da aber praktisch der ganze Talboden mit Wasser bedeckt war, war das etwas schwierig. Also zogen wir nach der Mittagsrast weiter der Hütte entgegen. Der Weg führt am Talrand, sprich Seeufer entlang. Zum Teil, wo Felswände das Ufer bilden, musste man sogar ein paar Schritte im Wasser gehen, respektive von Stein zu Stein hüpfen, um ohne nasse Füsse durchzukommen. An zwei Stellen mussten wir auch noch Altschneeresten queren, was Esther sorgfältig und ohne Schwierigkeiten meisterte. Weit wäre man zwar nicht gefallen, nur einen halben Meter ins Wasser runter gerutscht, aber nass wäre man schon geworden. Bald erreichten wir so den Fuss der Erhebung, auf der die Hütte thront. Gleich unterhalb der Hütte spritzt ein kräftiger Bach aus dem Berg. Wie sich später durch Nachfrage bei den Kraftwerken Oberhasli bestätigte, handelt es sich hier nicht um eine natürliche Quelle, sondern um den Ausgang eines Stollens. Im benachbarten Tal wird das Wasser unterhalb des Grubengletschers gefasst und in das Bächlital geleitet. Am unteren Ende des Bächlisbodens wird das Wasser dann erneut gefasst und durch einen weiteren Stollen in den Grimselsee geführt. Deshalb ist auch der Bach unterhalb des Bächlisboden trocken, obwohl es hier oben doch so viel Wasser hat. Entlang dieses "geklauten" schäumenden Bachs steigt der Weg die letzten 140 Höhenmeter hoch zur Hütte. So mitten im Nachmittag war fast niemand in der Hütte. Wir wurden von den Hüttenwarten Hildegard und Markus herzlich empfangen. Zuerst wurde uns unser Zimmer zugeteilt. Wir hatten grosses Glück, da wir in einen 4-er Schlag eingeteilt wurden. Statt in einem grossen Schlafraum liegen zu müssen, hatten wir so fast ein Privatzimmer, mit nur je zwei Liegeplätzen unten und oben. Ausserdem hatten wir sogar die oberen Matratzen, was Esther ganz besonders gut gefiel. Zur Feier unserer Ankunft und das Esther so toll marschiert war, gab es nun Pomme Chips und Rivella für Esther und frische Apfelroullade und Kaffee für mich. Immer noch schien die Sonne heiss. Wir fanden eine schattige, auch etwas windgeschützte Stelle neben der Hütte, wo wir die von Esther mitgebrachten Spiele spielten. So nach und nach kamen die weiteren Hüttengäste von ihren Touren zurück, von den umliegenden Kletterwänden oder auch vom Gletscher, mit Seilen und Pickeln. Das Seelein nicht weit von der Hütte entfernt, lockte uns jetzt. Also zogen wir nochmals unsere Wanderschuhe an und spazierten das kurze Stück zum Seelein. Dummerweise hatten wir unsere Badehosen in der Hütte vergessen. Das Wasser war aber sowieso so frisch, dass ein Fussbad grad genug Abkühlung brachte und auch die Sonne war inzwischen schon häufig von Wolken verdeckt. Ein paar verschwitzte Kletterer wagten ein kurzes Bad, kletterten aber alle extrem rasch wieder aus dem Wasser. Auf der Bergseite des Seeleins vergnügte sich jemand damit, Steine auf die Spitze zu stellen. Das sah sehr lustig aus. Etwas später, als der Wind etwas zunahm, kippten sie alle auf einmal um. Es wurde nun doch etwas kühl und so spazierten wir zur Hütte zurück. Im Essraum fanden wir weitere Spiele und so verging die Zeit bis zum Nachtessen im Fluge.
Unsere Tischkameraden waren zwei junge Deutsche, und dazu unsere zwei Zimmerkolleginnen, Franziska und Monika. Alle vier verbrachten ein paar Tage in der Hütte um die umliegenden Sportkletterrouten auszuprobieren. Die Küchenmannschaft hatte ein fantastisches Essen vorbereitet. Zuerst gab es eine feine Gemüsesuppe, dann ein leckeres Gemüserisotto an einer Käsesauce und Tomaten-Gurken-Salat. Zum Dessert wurden Birnen mit Schoggicrème aufgetragen. Da Esther die Birnen nicht gern hat, wurde für sie sogar extra eine Portion Schoggicrème ohne Birne, dafür dekoriert mit zwei Marzipanrüebli, serviert.
Nach dem Nachtessen wurde nochmals gespielt, zum Schluss noch ein Mensch-ärgere-Dich-nicht mit allen zusammen an unserem Tisch. Nun war aber höchste Zeit, unter die Wolldecken zu kriechen! Wärend des Nachtessens hatte es angefangen zu regnen und auch zwei-, dreimal gedonnert. Inzwischen hatte der Regen aufgehört, aber ein kräftiger Sturm rüttelte die ganze Nacht an der Hütte. Am Morgen war der Himmel zwar bedeckt, aber es regnete nicht und auch der Sturm hatte sich etwas gelegt.
Nach dem Frühstück packten wir unsere sieben Sachen und tratten dann den Abstieg an. Die Landschaft wirkte schon etwas anders mit den tiefhängenden Wolken als gestern unter blauem Himmel. Hin und wieder drückte kurz die Sonne durch und zauberte ein paar Glitzer auf die nassen Felswände oder auf das Wasser. Entlang des Wassers auf dem Bächlisboden mussten wir noch ein paar zusätzliche Hüpfsteine legen, da durch den Regen in der Nacht das Wasser noch etwas gestiegen war. Am selben Ort wie gestern machten wir Picknick-Halt. Da wir etwas abseits vom Weg sassen, zogen unsere Kletterfreunde mit ihren riesigen Rucksäcken an uns vorbei, ohne uns zu sehen. Auch der weitere Abstieg zwischen den Wolkenfetzen hinunter zum Räterichsbodensee verlief ohne Probleme. Esther war von den Nebelfetzen fasziniert und meinte vergnügt, hier könne sie die Wolken anfassen. Ich musste sie immer wieder etwas zurückhalten, da sie allzu übermütig über die Stufen hinunter sprang. Am See angekommen trafen wir wieder auf unsere Freunde aus der Hütte, die gerade ihre letzten Esswaren ausgepackt hatten. Kaum wollten wir uns dazu setzen, fing es leicht an zu tröpfeln. Deshalb packten alle wieder zusammen und wir marschierten über die Staumauer. Zum Glück hatte es sich der Regen doch nochmals anders überlegt und wieder aufgehört. Bei der Postautohaltestelle fanden wir einen Stand, wo man Nussgipfel, Kaffee, ... auch Pomme Chips kaufen konnte. Dort warteten wir auf das Postauto, das uns bald nach Meiringen transportierte. Erst in Meiringen fing es wirklich an zu regnen, aber da störte uns das nicht mehr. Mit der Bahn und dem Postauto fuhren wir zurück auf den Hasliberg. Sämi, Irène und Andres stiegen unterwegs auch zu. Sie hatten eine kleine Wanderung gemacht, um uns entgegen zu kommen.
Den regnerischen Nachmittag genossen wir in der Ferienwohnung, glücklich und zufrieden, dass alles so gut gegangen war und das wir zwei zusammen diese tolle Wanderung gemacht hatten.
Wohin gehts das nächste mal?
Huettenaufstieg, Blick zurueck zum Raeterichsbodensee an der Grimselstrasse
 
Esther mit Steinmaennchen und Wegzeichen - da kann man sich kaum verirren
 
Schlangenweglein, gleich ist der Baechlisboden erreicht
 
auf Felsen und Flechten
 
Esther
 
kurz vor dem letzten Aufstieg zur Baechlitalhuette
 
Blick auf den Baechlisboden, unterhalb der Baechlitalhuette
 
doch noch recht frisch fuer mehr als ein Fussbad!
 
natuerliche Kunst aus Felsen, Gras und Flechten
 
Baechlitalhuette gesehen vom nahen Seelein, dahinter die Spitzen des Brünbergs
 
Kletterwaende noerdlich der Huette
 
Alpenrosen
 
Lichtspiel auf den Kletterfelsen gegen Alplistock
 
Gelmer - oder doch gelber Enzian?
 
Baechlitalhuette, unterhalb der Huette spritzt das Wasser aus dem Berg, das unterhalb des Grubengletschers im Nachbartal gefasst wird
 
Wasser aus zwei Tälern!
 
der Baechlisboden - fast ein Seeboden  
  Treppenweg     Abstieg gegen Raeterichsboden     Zwischen Raeterichsboden und Baechlisboden fuehrt der Weg durch dichte Vegetation
Torsten, Monika, Esther, Franziska und Martin (unsere Zimmerkolleginnen und Tischkameraden in der Huette)
 
 
Hilfe zur Tourenplanung:   Landeskarte 1:25'000: Blatt 1230 Guttannen
    Postauto Meiringen - Räterichsbodensee - Grimsel: 470.75
    Bächlitalhütte Tel 033/973 11 14 
     
Weitere Informationen zur Gegend   KWO Kraftwerke Oberhasli (Grimselstrom)
Antwort von Herrn Rolf Schläppi (KWO) bezüglich des Bachs unterhalb der Bächlitalhütte
     
Was es nicht alles gibt!   Schweizerisches Talsperrenkomitee (auf dieser Seite findet man auch ein Verzeichniss der Talsperren in der Schweiz mit technischen Daten, zum Beipiel über die Staumauer des Räterichsbodensees)
   

Copyright for all pictures: Claudia Betschart
Last revised: July 18, 2002