Hochtour Krönten, 18.-19. August 2001 (Ausschreibung) (Karte)

Leitung: René Beerli
TeilnehmerInnen: Herbert Klier, Heinrich Müller, Giorgio Glinni, Claudia Betschart (Bericht), Rebecca Scherrer, René Beerli

Huettenaufstieg entlang des Alpbach
 
kurze Rast oberhalb Stäuben
 
Hochmoor um den Fulensee, dahinter der Schlossberg
 
Kroentenhuette und DAS ZELT, als es noch stand!
 
Giorgio in der Wand
 
Herbert mit Bergschuhen
 
Dunkle Wolken im Osten
 
Aufstieg ueber den Gletscher vor der Kulisse des Schlossbergs
 
andere Gruppe im Aufstieg gegen die Kroentenluecke
 
Huettenwart Markus mit seiner Gruppe im Aufstieg zur Schlossbergluecke (Gross Spannort)
 
Annaeherung an den Gipfel via den Grat von Westen
 
Abseilen vom Gipfel
 
Gruppenfoto, fast auf dem Gipfel
 
Blick vom Gipfelgrat gegen Sueden
 
im Geroell des Kroenten (rechts der Schneehüenerstock)
 
im Abstieg zurueck zum Gletscher, mit Schneehüenerstock und Zwächten (ganz hinten)
 
Blick ueber den Glattfirn, hinten von links nach rechts Zwächten, Chli Spannort, Gross Spannort, Schlossbergluecke
  Die ganze Woche strahlendes Sommerwetter, so richtig gemacht für Bergtouren. Doch für das Wochenende war selbst am Freitagmorgen die Vorhersage nicht mehr so gut: zwar noch sonnig am Samstag, am Sonntag dann aber von Südwesten her eintreffende Kaltfront mit Niederschlägen und Gewittern. Sollen wir, sollen wir nicht? Nachdem das neuste Wetterbulletin am Freitag Mittag eher eine Spur besser klang (Niederschläge und Gewitter am Sonntag in der zweiten Tageshälfte), nahm sich unser Tourenleiter ein Herz und meldete per mail: "Nach langem hin und her hab ich mich entschlossen einen Versuch zu wagen. Die Abfahrtszeit ist ein bisschen humaner, neu 7.43 ab Basel Richtung Luzern. Wir treffen uns auf dem Bahnsteig bei der Unterführung so etwa 10 Minuten vor der Abfahrt. Hoffentlich erwischen wir das Schönwetterloch."
So traffen wir uns zu nicht allzufrüher Stunde auf dem Bahnhof, René, Herbert, Heiri und ich. Unser Spezialzug (fährt nur Samstags vom 11. August bis 13. Oktober) war fast leer. Kurz vor Abfahrt stieg noch jemand ein, mit riesigem Rucksack und aussen aufgebundener Liegematte - "geht wohl zelten, gehört also nicht zu unserer Gruppe", schloss ich gleich. Das war allerdings zu voreilig, stellte sich doch rasch heraus, dass Giorgio sehr wohl zu unserer Gruppe gehörte, aber die Gelegenheit nutzen wollte, sein neues Zelt zu testen. Nun also zu fünft tuckelten wir Richtung Innerschweiz. In Arth-Goldau stiess auch Rebecca zu uns, womit unsere Gruppe nun vollständig versammelt war. Ein weiterer Teilnehmer hatte kurzfristig abgesagt, da er sich beim Treppensteigen den Fuss gezerrt hatte - ob aus Versehen oder aus purer Vorfreude auf das Basler Fest entzieht sich unserer Kenntnisse. So erreichten wir kurz nach 10 Uhr Erstfeld und von dort mit dem Alpentaxi über das steile Alpsträsschen die Brücke auf dem Bodenberg (1000m) im Erstfelder Tal. Die Sonne schien heiss vom strahlend blauen Himmel und so schlug René vor, den etwas längeren, dafür weniger steilen und vermutlich etwas kühleren der zwei Hüttenwege zu wählen, den Chüeweg. Dieser wunderschöne Weg führt dem schäumenden Alpbach nach ins Tal hinein, mal rechts vom Wasser, mal links davon. Nach der Steilstufe bei den Stäuben, kurz vor der Alp Schattig Boden (1451m) gab es eine kurze Rast. Etwa einen Kilometer weiter hinten macht der Weg eine scharfe Kurve und steigt nun wieder talauswärts über einen Felsriegel hoch, um schon bald das fantastische Hochmoor um den Fulensee zu erreichen (1706m). Unser Marschtempo wurde hier durch die reifen Heidelbeeren gebremst, und ausserdem war das sowieso der ideale Platz für eine ausgiebige Mittagsrast. Über der nächsten Steilstufe war auch schon die Hütte zu sehen, also kein Grund zur Eile. Das Wasser des Fulensees erreiche im Sommer gerne mal 18 grad. Trotzdem konnte sich niemand von uns zu einem Bad entschliessen. Stattdessen zogen wir schliesslich weiter über die letzten paar Höhenmeter hinauf zur Kröntenhütte (1903m). Hier roch es wunderbar nach frisch gebackenen Wähen. Dazu gab es sogar starken Kaffee aus der Maschine. Die Hütte wird von einem kleinen Wasserkraftwerk mit Strom versorgt. Nachdem unser Durst und Gluscht gestillt war, legte sich Heiri zwischen die Alpenrosen um etwas Schlaf vorzuholen. Inzwischen hatte Giorgio mit einiger Unterstützung auch ein einigermassen flaches, nicht gar zu feuchtes, krötenreiches Stück Boden gefunden, das geeignet schien um das Zelt aufzubauen (gleich neben der Hütte). Die Kletterer erkundeten nun die Routen am Kletterfels hinter der Hütte und ich vertrieb mir die Zeit mit dem Beobachten der verschiedenen Aktivitäten.
Im Laufe des Nachmittags waren noch einige Gruppen eingetroffen. Um 18.30 gabs Abendessen in der vollen Hütte (Suppe, Salat, Teigwarenmüscheli, Geschnetzeltes mit Champignon respektive eine Spargel-Champignon-Mischung für die Vegetarier, schliesslich zum Dessert Fruchtsalat mit Schlagrahm). Das üppige Mahl löste einmal mehr die Diskussion aus, wie weit der Luxus in den SAC Hütten eigentlich getrieben werden soll. Sind Annehmlichkeiten wie frischer Salat wirklich nötig oder könnte man nicht auf einige Helikopterflüge verzichten? Obwohl geruchlose WCs und Waschräume unter Dach (in manchen Hütten sogar schon warme Duschen) angenehm sind, geht dadurch auch viel der einstigen Hüttenromantik verloren und viele Hütten sind kaum mehr von Berghotels zu unterscheiden.
Ein letzter Blick vor die Hütte - immer noch sehr warm und klarer Himmel - dann zog ich mich unter die Wolldecken zurück. Mit Ohropax ausgerüstet schlief ich erstaunlich gut. So hörte ich auch nicht, wie es draussen zu stürmen anfing. Der Wind blies so stark, dass Giorgios Zelt einfach kollabierte, und er schliesslich in den Essraum der Hütte fliehen musste.
Kurz nach 4Uhr wurden wir geweckt, Frühstück mit hier gebackenem Brot und sogar Zopf und Flöckli. Draussen war es nun wieder windstill, erstaunlich warm, und schemenhaft konnte man in der Dunkelheit die umliegenden Berge schwach erkennen. Kurze Zeit später waren die Berge allerdings nicht mehr zu erkennen und statt dessen fing es leicht zu regnen an. Sollen wir, sollen wir nicht? Einige Gruppen hüllten sich in Regenschütze und zogen los. Wir beschlossen noch ein bisschen in der Stube sitzen zu bleiben und die weitere Entwicklung abzuwarten. Es schien nun eher stärker zu regnen. Alternativen wurden ausgeheckt und wieder verworfen, bis wir schon fast sicher waren, einfach ins Tal abzusteigen - vielleicht sollte ich doch endlich einmal Zeit haben, meine Wohnung zu putzen? Doch es sollte anders kommen. Kurz vor 6 Uhr kam Herbert aufgeregt rein, wir müssten unbedingt einmal schauen kommen. Tatsächlich, die Wolken hatten sich wieder etwas gehoben, der Regen hatte aufgehört, man konnte im ersten schwachen Tageslicht die Aufstiegsroute Richtung Krönten wieder erkennen und der Himmel schien in diese Richtung sogar etwas heller. Wenige Minuten später (genau um 6.02:22 auf Herberts Uhr) marschierten wir los, die Stirnlampen konnten wir bereits in der Hütte lassen. Wir folgten der blauweiss markierten Route Richtung Graw Stock, zuerst auf einem Weglein am Obersee vorbei, dann über den Ostgrat zum Oberseemandli. Auf etwa 2200m Höhe erreicht man nach einer kurzen Kraxelstelle mit Fixseil die Krete, mit jähem Blick in die Tiefe und in die Eisschründe unter dem Gross Spannort und der Schlossberglücke. Im Westen hinter der Schlossberglücke, über dem Engelbergertal, konnten wir ein kleines Ecklein blauen Himmel erkennen. Gegen Osten war der Himmel allerdings immer noch mit tiefschwarzen Wolken verhangen. Doch der Wind blies von Südwest und liess uns optimistisch sein. Den Wegspuren entlang der Krete folgend ging es nun südwärts zum Graw Stock (2456m) und gleich dahinter stiegen wir zum Gletscherrand ab. Hier öffnete sich der Blick über die Weite des Glattfirns zwischen Schlossberglücke, Spannort, Zwächten und Krönten. Der grösste Teil des Gletschers lag blank vor uns, so waren auch die Spalten gut sichtbar. Es blies ein unangenehm kalter Wind der uns weiter trieb. Mit montierten Steigeisen in zwei Dreier-Seilschaften (René - Rebecca - Giorgio, Herbert - Heiri - Claudia) stiegen wir den paar grossen Spalten ausweichend gegen Südosten den Gletscher hoch. Über ein kurzes Geröllband und ein weiteres kurzes Gletscherfeld (hier nun schneebedeckt) erreichten wir den Einstieg ins Geröll der Gipfelregion. Hier deponierten wir unsere Steigeisen und Pickel und nahmen die letzten etwa 200 Höhenmeter am kurzen Seil gehend in Angriff. Den Steinmännchen und hin und wieder Wegspuren folgend arbeiteten wir uns durch die Steinbrocken hoch. Deutlich konnten wir beim Aufstieg die verschiedenen Gesteinszonen in der Gipfelregion des Krönten erkennen. Nach dem bräunlich grauen Gneis folgte über ein kurzes Stück ein rötlicheres Gestein, gefolgt von dunkelgrauem bis schwarzem schiefrigen Material. Tatsächlich sah ich später in einer geologischen Skizze des Gebiets, dass der untere Teil des Kröntens aus Erstfeldergneis besteht, der überlagert ist von einer fast horizontal liegenden autochthonen Sedimentkappe, die den Gipfel bildet. Das letzte Stück zum Gipfel führt relativ flach entlang des nicht extrem schmalen, aber doch stückweise etwas ausgesetzten Grats mit eindrücklichen Tiefblicken. Der eigentliche Gipfel mit dem Gipfelkreuz (3107.7m) ragt ein paar Meter über den Grat hinaus. Er kann nur durch Klettern erreicht werden. René stieg vor und sicherte Rebecca und Giorgio im Nachstieg. Inzwischen hatte auch ich genügend Mut gesammelt, um wenigstens den zwei, drei Meter tiefer liegenden Gipfelabsatz zu erklimmen, den man ohne eigentliche Kletterei, allerdings etwas luftig erreichen kann. Herbert sicherte mich von oben am Seil, so dass wirklich nichts passieren konnte.
Nachdem die Gipfelkletterer wieder auf den Grat abgeseilt hatten und wir uns mit Zwischenverpflegung neu gestärkt hatten, wurde noch schnell ein Gipfelfoto geschossen (Wolkenfetzen versteckten gerade die Sicht) und dann gings wieder über den Grat und durch das Geröll hinunter zu unserem Material Depot am Schnee. Diesmal gab es nicht so kalte Hände beim Anziehen der Steigeisen wie am Morgen. Schon bald waren wir wieder auf dem Gletscher unterwegs Richtung Graw Stock. Wir hielten etwas mehr rechts auf die Felsen zu und verliessen den Gletscher etwas höher (ca 2610m) als wir ihn am Morgen betretten hatten. Über Felsen und ein langes, recht steiles Schneefeld, das man so recht bis schlecht rutschen konnte, erreichten wir wieder die Steinmännchen auf dem Graw Stock und den markierten Weg zurück zur Hütte. Die Sicht von der Krete hinüber auf die Gletscherabbrüche des Glattfirns vor dem Schwarz Stöckli und tief hinunter ins darunterliegende Tal war auch bei Sonnenschein nicht minder eindrücklich.
Zurück in der Hütte genossen wir erst so richtig unser Picknick und natürlich Flüssiges in grossen Mengen. Wieder roch es verlockend nach frischen Wähen, leider waren diese aber immer noch im Ofen. Ob wir den für 16.30Uhr angesagten Abmarsch bis Ende Backzeit noch verschieben könnten, wurde nie wirklich geklärt. Schliesslich verliessen wir die Kröntenhütte eine Viertelstunde später als geplant - und trotzdem ohne Wähe... Für den Abstieg wählten wir den anderen Hüttenweg, den Geisspfad. Dieser führt nicht am Fulensee vorbei, sondern hält sich auf der rechten Talseite über längere Zeit weit über dem Talboden, gleich unterhalb von tollen Felsplatten. Die Vegetation war üppig, hohe Farne, Blumen und wieder viele Heidelbeeren und Himbeeren säumten den Weg. Da wir die feinen Beeren nicht einfach ignorieren konnten, hatten Rebecca und ich etwas Mühe, mit unseren Spitzenläufern René und Herbert mitzuhalten, die anfangs ein enormes Tempo hinlegten. Zum Glück waren da noch Heiri und Giorgio (mit seinem riesigen, schweren Rucksack), die es auch lieber etwas ruhiger nahmen. Bei der Hutzi-Tanne neben und zwischen den Ameisenhaufen, machten wir eine kurze Pause, und bestellten auch den Alpentaxi für unsere Rückfahrt. Danach nahmen wir das letzte Stück in Angriff, der Abstieg im ZickZack über den steilen Hang hinunter nach Mettlen und von dort nach Bodenberg, wo wir kurz vor halb sechs eintraffen. Auf dem Bodenberg fand an diesem Tag ein lokales Schwingfest statt. Obwohl man schon am abbauen war, konnten wir noch von der Festwirtschaft profitieren und kühles Bier und andere Gertränke kaufen. Der Alpentaxi brachte uns wenig später wieder hinunter nach Erstfeld zum ersehnten Eis vom Kiosk, und um 18.34Uhr fuhr ein Zug Richtung Zürich. Nach Umsteigen in Arth-Goldau erreichten wir Basel kurz vor 21 Uhr, mitten im Trubel der abreisenden Festtruppen vom grossen Festumzug (500 Jahre Basel in der Eidgenossenschaft).

Es war ein wunderschönes Wochenende, unter kundiger Führung auf einer tollen Tour durch eine fantastische, abwechslungsreiche Landschaft, mit überraschend gutem Wetter. Was will man noch mehr! René, dem Tourenleiter, und Herbert, dem zweiten Seilführer, ein herzliches DANKE SCHÖN!

Blumen entlang des Huettenwegs
 
Schattig Boden mit Wasserfall vom Fulensee
 
Heiri waerend des Mittaghalts
 
Rebecca am Kletterfels
 
René in der Kletterwand
 
Einstieg zum Gletscher, dahinter der Gross Spannort
 
Gletscher in den ersten Sonnenstrahlen (gegen Osten)
 
Gletscherstrukturen vor dem Chli und Gross Spannort
 
René, Rebecca und Giorgio bei der Kroentenluecke
 
Der Gipfel (rechts, mit Kreuz) und Gipfelabsatz (links)
 
die letzten paar Meter zum wirklichen Gipfel
 
Herbert (im Hintergrund der Schlossberg)
 
Blick vom Gipfel gegen Erstfeld
 
Abstieg ueber den Gipfelgrat
 
Abstieg zurueck zum Gletscher, im Hintergrund der Gross Spannort und Schlossberg
 
Gletscherspalte
 
grosses Schneefeld im Abstieg  
Blick bei der Kroentenluecke ueber den Glattfirn (Schneehüenerstock, Zwächten, Chli Spannort, Gross Spannort, Schlossberg)   Blick vom Graw Stock gegen Erstfeld
unterhalb vom Graw Stock
Gletscherabbrueche unterhalb der Schlossbergluecke (in der Mitte das Schwarz Stöckli)  
Kroentenhuette vor dem Schlossberg   im Moor oberhalb der Huette   Abstieg zum Bodenberg via Geisspfad
Hutzi-Tanne

Hilfe zur Tourenplanung:   Landeskarte 1:25'000: Blatt 1191 Engelberg und Blatt 1211 Meiental
    Alpentaxi Erstfeld, Gotthardstrasse 62:  Tel 041/880 05 23, Natel 079/413 91 15
    Kröntenhütte Tel 041 880 01 22, Hüttenwarte Markus und Irene Wyrsch privat 041 880 01 72
     


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Last revised: October 08, 2004