Spätherbstwanderung im Tössta1 (Bisons, eiserne Jungfrauen und tibetische Mönche), 25. November 2001 (Ausschreibung) (Karte)

Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Lea Apolloni, Claudia Betschart (Leitung und Bericht), Peter Bullen, Vreni Gubler, Bert Operschall, Mechthild Praehauser, Klaus Schindler, Edith Schwendimann, Heather Wansbrough, Gabriela Wehrle.

 
 
 
Der Turm auf dem Eschenberg
 
 
 
 
Zwischen Eschenberg und Töss
 
 
 
 
 
 
 
Landvögtische Modeschau
 
Stein um Stein - wann wird die Burg fertig?
 
 
 
 

Noch wenige Tage vor dem Termin hatte ich Hoffnungen, dass wir die Wanderung bei Sonnenschein über die frisch verschneiten Hügel begehen könnten. Diese Hoffnungen trübten sich dann mit näherrückendem Datum mehr und mehr und am 25. November war das Wetter schliesslich nicht wesentlich besser als an dem Tag im Oktober, als ich den Marsch in strömendem Regen rekognosziert hatte. Zwar regnete es nicht in Strömen, doch reichte auch ein steter Nieselregen um uns schön feucht zu halten und manchmal blies ein kalter Wind. Der Regen hatte auch den kürzlich gefallenen Schnee bis auf dünne Resten weggewaschen.
Das Wetter konnte unsere Gruppe aber nicht bremsen. Gabriela traf als erste in der Schalterhalle des Bahnhofs Winterthur ein, danach folgten die Reisenden von Basel. Kurze gegenseitige Begrüssung, und schon ging's los. Vorher hatte ich nochmals gezählt und kam auf total 10 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Wozu ich das so genau wissen wolle, wurde ich gefragt. Nun, ich hatte den Ehrgeiz, am Schluss immer noch gleich viele Personen zu zählen. Das sei ein hoch gestecktes Ziel auf Ciba Sportclub Wanderungen, wurde lachend kommentiert.
Die Altstadt von Winterthur liessen wir links liegen und zogen vorbei an einigen stattlichen Villen hinauf zur Breite, wo wir die asphaltierten Strassen hinter uns liessen. Durch den Wald wanderten wir nun Richtung unseres ersten Ziels, dem Bruederhus. In interessante Gespräche vertieft und nicht mehr so auf die Karte achtend, verpasste ich prompt eine Abzweigung, obwohl ich doch erst vor ein paar Wochen hier durch gekommen war. Ich war drum etwas erstaunt, als ich an einer Kreuzung den Wegweiser zum Bruederhus sah - er zeigte in die Richtung aus der wir gerade gekommen waren! Peinlich, peinlich... Eine kurze Abklärung unter den fehlgeleiteten Kolleginnen und Kollegen ergab, dass durchaus ein Interesse bestand an den Bisons und vor allem den Przewalski Wildpferden (Equus przewalskii) im Tierpark und dass ein kleiner Umweg zurück dafür in Kauf genommen wurde. Dem Pfeil auf Berts GPS folgend konnte nun nichts mehr schief gehen und wir trafen schon bald beim Bruederhus ein. Ich fühlte mich veranlasst, mein Tagesziel zu präzisieren. Nicht nur wollte ich niemanden verlieren unterwegs, nach Möglichkeit sollten wir auch am angegebenen Ort ankommen....
Die Wildpferde standen alle unter dem Vordach dicht zusammen. Die letzten freilebenden Takhis, wie diese Pferde in der Mongolei genannt werden, wurden vor ca. 30 Jahren in der Gobi gesichtet. Inzwischen läuft ein internationales Programm zur Wiedereinführung der Wildpferde in ihren ursprünglichen Gebieten. Seit 1997 wurden schon einige Pferde aus der Winterthurer Zucht in die Mongolei gebracht. Neben dem Tierpark Bruederhuus ist auch die Universität Zürich beteiligt.
Nach Würdigung der Wildpferde und anderer Tierarten zogen wir weiter zum Aussichtsturm auf dem Eschenberg. Die Wetterverhältnisse versprachen zwar kaum Aussicht, trotzdem liessen es sich einige nicht nehmen, den über hundertjährigen, von der Sektion Winterthur des SAC gebauten Eisenturm zu besteigen. Schwach konnte man die Stadt im Nebel gerade noch erkennen. Die Sicht auf die Berge musste man sich selbst vorstellen. Immerhin leuchteten einige gelbe Lärchen vom Wald herauf. Ohne weitere Unterbrüche erreichten wir danach die Holzbrücke über die Töss und nach kurzem, steilem Aufstieg auf der anderen Seite kurz vor halbeins auch unser nächstes Ziel, Kyburg. Die Frage, ob zuerst Schlossbesichtigung oder Mittagessen gewünscht werde, war eher rhetorisch. Kurz darauf sassen wir alle in der gemütlichen Wirtsstube des Gasthof Hirschen. Als Tagesmenü empfahl die Wirtin den Schwedenbraten (Schweinsbraten mit Zwetschgenfüllung) so erfolgreich, dass er mit Kalbsbraten ergänzt werden musste, um für alle zu reichen. Auch der Salatteller und die Rippli, die einzigen zwei abweichenden Bestellungen, schienen gut zu schmecken. Abgerundet wurde danach mit Kaffee, frischer Apfelwähe (mit! und ohne Schlagrahm) und Vermicelle. Dieser Festschmaus hatte länger gedauert als ich in meiner Planung angenommen hatte und so waren wir schon eine Stunde hinter dem Zeitplan, als wir uns um halb drei zum Schloss bewegten - nur Edith zog das warme Ofenbänkli im Hirschen der kalten Schlossbesichtigung vor, da sie die Kyburg schon kannte.
Das erst vor gut zwei Jahren neu gestaltete Museum ist interessant und schön gestaltet. Die ausgestellten Räume und Gegenstände werden mit kurzen Texten mehrsprachig erklärt und hie und da auch mit passender Musik (auf Knopfdruck) ergänzt. Gerne hätte man sich etwas mehr Zeit genommen, doch sind die Tage Ende November schon kurz und ich musste deshalb zum Weitermarsch drängen.
Wieder in unsere Regenhüllen gewickelt, verliessen wir kurz nach halb vier Kyburg Richtung Brünggberg. Den Abstieg über die rutschigen Stufen hinunter zum Wissenbach hinter uns, ging's auf der anderen Seite der Strasse gleich wieder den Wald hoch nach Dettenried. Das Dorf wirkte fast verlassen, so kurz vor dem Eindunkeln im trüben Wetter. Nur der Dorfbrunnen plätscherte vor sich hin. Bald erreichten wir die Abzweigung des Fusswegs den steilen Hang hinunter zurück ins Tösstal. Beim letzten Tageslicht erreichten wir Rikon. In Anbetracht der fortgeschrittenen Stunde wollte niemand den Umweg zum Tibet Institut machen (viel zu sehen gäbe es sowieso nicht), dafür reichte es für eine kurze Einkehr in der Beiz beim Bahnhof. Nochmals zählte ich die Anwesenden. Immer noch zehn Personen. Kurzer Kontrollblick auf den Stationsnamen - ja, tatsächlich, ohne Verluste alle am abgemachten Bahnhof angekommen, d.h. Tagesziel erreicht! Via Winterthur und Baden erreichten wir Basel um acht Uhr.
Herzlichen Dank allen wetterfesten Mitläuferinnen und Mitläufern für die gute Laune unter den Pelerinen.

 
Vier, die nicht zu bremsen waren, auf der Aussichts(!)platform des Turms
 
 
Blick auf nebelverhangene Lärchen
 
 
 
 
 
 
 
Tor zur Kyburg
 
..und? Wie liegt es sich auf so einem Laubsack? - vorallem kalt!
 
 
 
Der Regen hat uns wieder (im Hintergrund das Dorf Kyburg).
 
 
 
 
spätherbstliche Landschaft bei Brünggen
 

Hilfe zur Tourenplanung:   Landeskarte 1:50'000 Blatt 216 Frauenfeld


Copyright for all pictures: Claudia Betschart
Last revised: October 08, 2004