Osterskitouren in Bivio, 28. März bis 1. April 2002

Leitung und Bericht (Text): Petra Peters
Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
Albert Aichert, Claudia Aichholz, Reiner Aichholz, Philippe Aichholz, Silvain Aichholz, Claudia Betschart (Fotos), Peter Christen, Jacqueline Christen, Ernst Erb, Urs Furrer (Gast), Elisabeth Gründl, Vreni Gubler, René Hofer, Herbert Klier, Petra Küster (Gast), Franz-Xaver Küster (Gast), Bert Operschall, Margrit Probst, Arlette Probst, Helga Schmid, André Schmid, Cornelia Stuber (Gast).


Prolog

Bivio zum zweiten Mal  

 

 

Ostern 2002 - zum zweiten Mal ist der Club in Bivio. Und - wie letztes Jahr wieder mit mehr als 20 Teilnehmern. Ich habe das Casa Sylva reserviert. Hier können 14 Personen wohnen. Dazu haben wir ein Zimmer in der Post und 3 Studios am Utoring.

Wetterprognose  

 

 

Superwetter erwartet! Sonne für die Ostertage. Zuerst Bise, dann Hochdruck, dann Föhn. Leider hat es nicht so viel Schnee wie im letzten Jahren. In den Hängen östlich von Bivio liegt mehr, am Julierpass wenig.


Donnerstag, den 28. März - Anfahrt

Piz Scalottas - wir schnuppern  

 

 

Ernst und ich sind schon am Mittwoch abend spät angereist. Wir erkunden am Donnerstag den Piz Scalotta. Zusammen mit Elisabeth. Warm ist es. Auf der Abfahrt herrlicher, feuchter, führender Sulz, in dem sich prima schwingen lässt. Das ist vielversprechend für morgen!

Anreise  

 

 

Helga und André sitzen bereits auf dem Balkon in der Sonne, wie wir von unserer Tour zurückkehren. Die Familie Aichert ist auch schon da. Silvain ist gewachsen - er ist jetzt zwei Jahre alt. Philippe ist schon ein richtiger Junge - er ist fünfeinhalb. Margrit, René und Arlette beziehen das Parterre in unserer Casa. Herbert bezieht das Zimmer vor unserem "gefangenen" Ehezimmer im Dachstock. Alsbald gesellt sich Albert dazu. Beide haben heute auch schon eine Skitour gemacht, Albert am Oberalpstock, Herbert im Kanton Uri. Bert, Vreni und Claudia sind doch nicht mit dem Zug gekommen. Sie beziehen ihre Zimmer in der Casa Sylva. Margrit und Arlette sitzen alsbald auf dem hellen Ledersesseln im Parterre-Wohnzimmer. René hat sich hingelegt. Magenverstimmung. Nicht nur er, sondern auch Vreni und Bert. Ich bestelle bei Fritz Guidon drei Suppen für heute abend. Peter und Jacqueline haben sich beeilt - sie kommen früher als angekündigt. Silvain plündert die Spielsachenecke im kinderfreundlichen Hotel Guidon. Alsbald sitzen wir am gedeckten Tisch. Wir geniessen ein fünfgängiges Menü mit Breasola und Hirschpfeffer - und die Suppe.
Nachts um elf Uhr Walliser- und St.Galler Dialekt: Cornelia und Franz-Xaver sind eingetroffen. Fritz Guidon bringt sie in ihr Studio am Utoring. Spät nachts gesellen sich Petra und Urs dazu. Auch unsere Gäste sind eingetroffen.
Wir sind komplett.

 

Freitag, den 29. März - Piz Scalotta

gleich hinter der Post Bivio

 

Vreni, Arlette und Margrit

 

Albi und Vreni

Frühstück um sieben Uhr  
   

Um sieben Uhr habe ich das Frühstück angesetzt- ich fürchte, es wird sehr warm heute und möchte um acht Uhr starten. Strahlende Sonne! Kein Wölkchen am Himmel.

Auf den Piz Scalotta  
   

Wir sind nicht die einzigen, die um acht Uhr hinter der Post starten. Jacqueline und Peter dachten schon, die Gruppe da vorne oben, das seien wir. Aber nein... wir rennen doch nicht davon... Albert hat die Barryvoxkontrolle übernommen. Er steckt zwei Stöcke. Das ist der Barryvox-Durchgang. Ich gehe als erste durch. Elisabeth folgt... und alsbald schlängelt sich unsere Kolonne von 20 bunt gekleideten Tourengängern durch die Büsche bergauf. Ernst zückt seine Kamera und hält den Tatzelwurm fest. Rasch wird es heiss auf dem breiten Felsband, wir ziehen die Jacken aus. Langsam erreichen wir die Höhe der Skiliftmittelstation neben uns. Ein paar Geländewellen. Auf dem flachen Boden zum Eingang Stallertal rasten wir. Es ist windstill. Wir sind anderthalb Stunden gegangen. René und Bert spüren ihre Magenverstimmung. Sie verlassen uns und fahren zur Passtrasse ab.
Wir gehen weiter über die grosse Wächte ins Scalotta Tal. Es fängt an, empfindlich kalt zu ziehen. Im Zickzack ziehen wir durch das Tälchen bergan. Eine kurze Rast. Eine SMS-Meldung - René und Bert sind schon an der Julierstrasse. Die lange Traverse. Eine weitere kurze Rast.
Steine vor dem Gipfel - das letzte Stück ist hindernisreich, denn der Wind hat den Schnee aus dem Gipfelhang wegverfrachtet. Skidepot. Um zwölf Uhr gibt es Gipfelfotos - Claudia macht sie mit ihrer weitgereisten Nikon, Ernst mit seiner digitalen Kamera. 1200 Höhenmeter haben wir hinter uns. Der Piz Scalotta ist 2992m hoch.
Wir kauern uns hinter einen Stein und picknicken zum ersten Mal. O weh, ein Teil der Gruppe ist schon zum Skidepot abgestiegen und wartet auf uns... da habe ich nicht aufgepasst und schlecht organisiert. Wir suchen uns weiter unten einen zweiten, windstillen Platz und rasten ein zweites Mal.

     

René, Peter und Jacqueline

 

Claudia bei der Gipfelrast

 

Claudia, Herbert und Elisabeth auf dem Piz Scalotta

 
     

360° Panorama vom Piz Scalotta (609KB)

 

 
 

Jacqueline

 
 
 
 
Abfahrt nach Stalveder  
   

Die Abfahrt nach Stalveder ist heute ruppiger als gestern. Teilweise brechen wir ein, aber dazwischen hat es auch tragende Stellen und herrlichen, frischen Schnee. Die Gruppe fährt zügig. Zehn vor zwei sind wir an der Busstation. Bert und René erwarten uns mit ihren Autos und nehmen ein paar mit. Der Rest der Gruppe besteigt den Bus, der pünktlich um 13:53 vorfährt. Das war präzises "Timing".

Vor dem Hotel Guidon  
   

Tische und Stühle zusammenrücken! Gemütlich sitzen wir in der Sonne vor dem Hotel Guidon, löschen unseren Durst und plaudern.

Unfall in der Skischule  
   

Um halb fünf treffe ich Nino in der Skischule. Für morgen wollten wir ja einen Bergführer nehmen. Schlechte Nachricht. Lino, den Nino für uns vorgesehen hatte, hat den Knöchel gebrochen. Passiert beim Ausstecken des Gästekinder-Rennens heute morgen! Nino gibt Ernst und mir Tipps, wo die Schneeverhältnisse gut sind: zum Piz dal Sasc und zum Turbo. Am Julierpass empfiehlt er den Surgonda. Der Lagrev sei im unteren Drittel viel zu steinig und unwirtlich.

Kranke auch bei uns  
   

Philippe fühlt sich nicht gut. Seine Zunge ist rot. Verdacht auf Scharlach. Nein, heisst es im Spital von Savognin. Kein Scharlach. Herbert und Reiner kommen mit Philippe und mit allerlei Medikamenten zurück.

Fünf Gänge  
   

Heute ist Karfreitag. Da gibt es das Karfreitags-Menü. Wir haben die Wahl zwischen Entre-Côte und Eglifilet im Teig. Gut gekocht!

     
 
 
 

offensichtlich zufriedener Herbert, hinter Bier (schon fast leer)

 
 
 
 

Durst gelöscht

 
 
 
     

Samstag, den 30. März - Piz dal Sasc

Panorama von N bis E von der Bergstation des Skilifts (663KB)

gegen Piz Grevasalvas

 

langer Tatzelwurm

 

Aufstieg im Gegenlicht

 

erster Blick auf die Bergeller Gipfel

 
 
 
Hohe Wolkenfelder  
   

Hohe Wolkenfelder am Himmel. Ja, morgen regnet es im Jura, muntert André mich auf. Und ich dachte, die ganzen Ostertage seien einfach diskussionslos sonnig!

Zum Piz dal Sasc  
   

Heute haben wir uns den Piz dal Sasc vorgenommen, der einen schönen Blick ins Engadin und ins Bergell bieten soll. Ernst hat die Karten eingepackt. Claudia hat ihr GPS eingestellt. Punkt 2167 beim Brücklein, wo wir nach links Richtung Lunghin-Pass einbiegen sollen. Dann Punkt 2645 der Lunghin-Pass. Von dort ist es nicht mehr weit auf den Gipfel, 2720.
Am Skilift kaufen wir uns Karten. Wir haben die Wahl zwischen einer Einzelfahrt für 14 Franken und einer Tourenkarte, die bis zehn und ab viertel nach zwei Uhr gültig ist. Einige nehmen die Einzelfahrt, andere die Tourenkarte. "Ich kann mich nicht entscheiden", meint Claudia. "Ja, Sie müssen sich schon entscheiden...", antwortet die Kassierin.
Zwei lange Skiliftsektionen zum Mot Scalotta (2560m). An der ersten Pistenkurve biegen wir steil hinab ins Tgavretga-Tälchen. Wir schwingen über wunderschöne, teilweise schon angenehm sulzige Hänge. Bei den Masten legen wir die Felle an. Wie auf einer Langlaufloipe gleiten wir beinahe ebenerdig zu unserem Punkt 2167. Hier wenden uns ostwärts und gehen im Zickzack bergauf. Rast nach einer Stunde. Die ganze Gruppe fühlt sich wohlauf. Weiter bergwärts, zuerst steil. Dann, eine lange, lange, endlos lange, sanfte Steigung in einem angenehmen, breiten Tal. "Jetzt weiss ich, warum dieser Pass "Lunghin" heisst", seufzt Ernst. Nach einer weiteren Stunde eine zweite Rast kurz vor dem Pass. Und wieder eine halbe Stunde später, kurz nach zwölf, sind wir auf dem Gipfel. Alle sind angekommen. In der Wärme geniessen wir lange unser Picknick und die Aussicht ins steil und weit unter uns gelegene Bergell, zum Silsersee und dem Engadin und zum Stausee Marmorea bei Sur.
Claudia ist nachdenklich. Ihr GPS behauptet, wir seien nicht auf dem Gipfel. Der Gipfel sei 200m weiter über dem Bergelltal. Ist denn das GPS so ungenau? Und warum schickt es uns in die Luft hinaus?

Arlette und Herbert

 

Ernst und Petra auf dem Gipfel

     

Ernst im Aufstieg, im Hintergrund der Piz Mäder

             

René, Albi und Arlette

 

ins Tal hinein, gegen Motta da Sett

 

Margrit, Vreni und Bert

 

Tatzelwurm bewegt sich gegen Piz dal Sasc

 

360° Panorama vom Piz dal Sasc (721KB)

Peter und Jacquelin auf dem Gipfel

 

Arlette

 

Albi und Helga, Blick gegen Silvaplanersee

 

Vreni und Bert bereit zur Abfahrt

 
 

Vreni und Bert kämpfen um ein Fell (?)

   

Reiner, hinter ihm die Bernina Gruppe

   

En Guete, Helga!

 

André geniesst den Gipfel und das Picknick

                   
Piz Lunghin  
   

Herbert und Reiner haben noch Kräfte übrig. Sie wenden sich dem Piz Lunghin zu. Er liegt westlich von uns und ist über eine kleine Abfahrt vom Pass, über einen kleinen Aufstieg und dann zu Fuss im steilen, wenig verschneiten Hang zu erreichen. Bereits kraxeln ein paar Skitourengänger wie Affen im steilen Gipfelhang des Lunghin herum. Macht's gut und passt auf!

Schöne Abfahrt  
   

Wir fahren ab, Ernst voraus, ich am Schluss, immer schön dem Gamfer-Hang entlang, so dass wir die lange Stosserei im Tgavretga-Tälchen vermeiden. Gegen zwei Uhr sind wir in Bivio zurück.

Pischtele  

 

 

Nach einer kleinen Stärkung unweit vom Skilift geht ein Teil der Gruppe mit ihren Tourenkarten lifteln. Claudia hat sich auch entschieden und kommt nun mit. Es zieht empfindlich und ist kalt. Am oberen Lift hat es leichte Pulverhänge. "Hehehe, nicht so schnell!" Herbert und Reiner sind vom Lunghin zurück, stoppen uns und erzählen begeistert von ihrem Ausflug.
Tiefere Wolken sind von Südwesten her aufgezogen. Was soll das nur für morgen heissen? "Ziemlich sonnig", meint der Wetterbericht... Wie genau ist das gemeint?

Ostersamstagsmenü  
   

Heute essen wir um halb sieben, um uns an die Sommerzeit zu gewöhnen. Es gibt Kalbfleisch Geschnetzeltes und für unseren Tisch dazu einen frischen Malganser Blauburgunder in der 7dl-Flasche.
Claudia ist wieder zufrieden mit ihrem GPS. Es hatte recht. Der Gipfel ist sehr breit. Sie hat den Punkt eingegeben, der auf der Landeskarte den Piz dal Sass bezeichnet. Und dieser Punkt ist in der Tat 200m weiter als der Gipfel, auf dem alle Skitourengänger rasteten. Laut Landeskarte und GPS waren wir somit gar nicht auf dem Gipfel...
Trotz Wolken draussen bestelle ich das Frühstück auf sieben Uhr (Sommerzeit).

     

Ja, da weit unten ist das Bergell

 

Vreni und Bert

 

Petra vor der Bernina Gruppe

 

Herbert beim Kartenstudium

 

André vor dem Piz Lunghin

Sonntag, den 31. März - Surgonda geplant, namenlosen 3000-er bestiegen

Corn Alv
 
Arlette
 
René und Herbert
 
 
Spuren
Das Wetter?  
   

Wolken im Dachfenster über unserem Schlafzimmer. Ich bin beunruhigt. Aber draussen zeigt sich der Himmel bereits beinahe wolkenlos - gut, dass wir so früh aufgestanden sind.
Der Ostertisch ist wunderschön gedeckt; die Bordeaux-roten Servietten hat das Hotel Guidon zu kleinen, reichen Osternestern gefaltet.

Val d'Angel  
   

14 sind wir heute. Um acht Uhr machen wir uns mit den Autos bereit und fahren zum Julierpass. Wir sind nicht die einzigen, die hier unsere Autos parkieren. Es hat wenig Schnee, aber im Val d'Agnel geht es gut. Unsere Kolonne bewegt sich eine Stunde lang ins Tälchen. Rast bei ein paar Steinen, die auch gute Deckung bieten. Weiter Richtung Felsen. Vor uns der Agnel-Pass und daneben der Surgonda. Streng und steil schaut er ins Tal, mit seinen 3197m. Da kommt Ernst. Herbert, Claudia und er haben zusammen die Karte und den wunderschönen Hang vor uns Richtung Osten studiert und schlagen eine Routenänderung vor, und zwar zum namenlosen 3000-er Gipfel neben dem Piz Campagnung. Ich betrachte nachdenklich den steilen Gipfelhang vom Surgonda, die vielversprechenden Hänge und den sanften Berg im Osten... also gut, warum nicht!
Mit einer weiteren Rast in brütend-warmer Sonne erreichen wir um halb zwölf neue Zeit den Gipfel. Ein wunderschöner Blick. Wolken ziehen auf. Ein Halo umrundet die Sonne. Es zieht empfindlich. Wie hoch sind wir hier? Genau 3001m. Franz füttert einen kräftigen, schwarzbraunen Schäferhund, der mit ein paar Bayern auf diesen Gipfel gekommen ist. Ein Gipfelfoto mit verfrorenen Figuren. Nein, es ist zu kalt! Wir fahren ab. Zuerst durch harten, ruppigen, verspurten Schnee. Dann kommt der Hang, der uns heute morgen zur Routenänderung bewogen hat. Er hält, was er versprochen hat: Die Sonne hat den zuvor krustigen Schnee aufgeweicht. Wir wippen hinunter. Ernst voraus. Und weg ist er, im Agnel-Tälchen Richtung Parkplatz. Nein, wir wollten doch schauen, wer noch Lust hat, diesen Hang ein zweites Mal zu fahren...

               
..zum scharfstellen vorne am Objektiv drehen...       Albi und Elisabeth im Gipfelhang     Elisabeth im Zielhang
               
Val d'Angel
 
gegen Corn Alv
 
Petra, Claudia, Helga und André
 
 
Gruppe im Val d'Angel

360° Panorama vom Punkt 3001 (812KB)

 

Gipfelfoto auf Punkt 3001 (ohne Fotografin)
 
Abfahrt vom Punkt 3001, voraus der Roccabella
 
Traverse gegen Piz Campagnung
 
Spuren, Spuren, Spuren
 
 
Kulturfreunde vor geschlossenem Museum
Variantenprogramme  
   

Herbert, Franz, Claudia und ich bleiben zurück, schnallen die Felle nochmals auf und sind 20 Minuten später im Sattel neben dem Piz Bardella, von weit zu erkennen an seinem grossen Gipfelkreuz. Da kommt auch schon der bayrische Schäferhund. Franz verwöhnt ihn wieder mit feinen Wurstscheiben. Wir wippen durch den sonnengeweichten Schnee hinab. Das war schön. Einfach zu schön! Wir steigen nochmals auf! Freundlich bellend begrüsst uns der Schäferhund im Sattel neben dem Piz Bardella. Er und seine Bayern sind immer noch hier. Nein, jetzt haben wir keine Wurstscheiben mehr. Ein zweites Mal wippen wir hinab, diesmal intensiv Tiefschneetechniken studierend. Durch den nassen Schnee ziehen wir durchs Val d'Agnel zurück zur Pass-Strasse. Ringsum sehen wir Skispuren, in Hängen mit mehr und mit weniger Schnee. Bivio ist ein Skitouren-Eldorado. Ein kurzer Augenschein am Lagrev. Stimmt, hier ist es wirklich sehr steinig im unteren Teil. Da bleiben wir morgen beim Roccabella!
Ernst war nicht so glücklich, dass er schon zum Julierpass abgefahren ist. Im ersten Moment. Aber man kann ja nicht immer nur Sport treiben. Kultur gibt es unweit von Bivio... im Segantinimuseum in St. Moritz. Margrit, Claudia, Helga und André fahren mit ihm dorthin. Leider geschlossen. Da bleibt noch Nietzsche.
Die anderen machen Siesta. Silvain und Philippe fragen sich ungeduldig, wann denn der Osterhase endlich den Weg von Basel nach Bivio findet. Das dauert aber lange in diesem Jahr!
Peter und Jacqueline, Vreni und Bert erzählen vom Skilift - die Piste war dort gut...

Gemütlicher Abend  
   

Wie jeden Abend verwöhnt uns die Küche. Heute ist der Chef persönlich in der Küche und erst spät am Abend zu sprechen. Es gibt feine Pesto-Halbmonde und Schweinsfilet. Und Ernsts Lieblingsdessert: Karamelköpfli.
Moment, nein... den Brotkorb brauche ich noch! Ich habe ihn gerade geleert, damit wir für die Küche einen Obulus sammeln - da hat die flinke, deutsche Serviertochter ihn schon weggeräumt und zur Theke zurückgebracht.
Fritz Guidon kommt aus der Küche. Aus seinem PC zaubert er virtuos die Rechnungen. Nein, nein, die drei Krankensuppen am ersten Abend, das waren keine Menüs, das bezahlt Ihr nicht. Am ersten Abend spät eingetroffen - klar, da wird das Menü nicht berechnet. 300 Franken kostet der normale Halbpensions-Betrag für vier Tage. Ich rechne nach - 4x76 - das gibt doch 304? Fritz hat abgerundet. Kurz darauf steht vor jedem von uns ein rötlicher Liqueur. Er heisst "Röteli". Es ist ein Kirschlikör. Vom Hause offeriert. Danke! Lange sitzen wir über dem Röteli, diskutieren, wie Partner zusammen leben, was ein Business Case ist, wofür man denn eine Informatikarchitektur braucht, wie es durch Asien zu reisen ist (heute und vor 30 Jahren) etcetc... Zwölf Uhr? Also doch schlafen! Morgen wollen wir nochmals früh aufstehen.

 
André und Helga mit Aussicht
 
Gipfelfoto gesamte Gruppe
 
bereit für die Abfahrt (CLaudia, Albi, Arlette, André)
 
jetzt kommt der Traumhang - ob er hält was er verspricht?
 
heisse Schoggi in St.Moritz


Montag, den 1. April - Roccabella

Aufstieg zum Roccabella
 
Sonne über dem Piz d'Emmat Dadaint
 
am Roccabella
 
 
Sterne in der Dachlucke
    Heute ist eine ideale, klare Nacht. Die Sterne leuchten durch unsere Dachluke. Das verspricht Firnschnee! Wir frühstücken um sieben Uhr, packen und stehen um acht Uhr abmarschbereit vor dem Hotel. Cornelia und Franz verabschieden sich. Und, so versichert Ernst den beiden, wir holen dann Euer Auto in Calcutta (oder sonst wo in Asien) und fahren es in die Schweiz zurück... Euch, Cornelia und Franz, alles Gute für die geplante Weltreise.
Auch Petra und Urs verabschieden sich bereits. Ein Frühlingstag in St. Gallen steht heute auf ihrem Programm.
Der schöne Fels    
    Roccabella heisst "schöner Fels". Es ist ein schöner Fels, der von 2730m Höhe freundlich 1000m auf Bivio herabschaut. Es ist noch kühl, wie wir - noch 16 - im Schatten durch das Tgavretga-Tälchen südwärts gleiten. Auf der breiten Ratracspur. Die Osthänge sind heute absolut ungefährlich. Darum ziehen wir die Spur bergauf, den Osthängen entlang. Erste Rast nach einer Stunde. Wir haben uns nun an diese Stundenhalte gewöhnt. Bergan durch das Emmat-Tal, an der Schutzhütte auf 2260m vorbei und zum Sattel vor dem steilen Südhang. Zweiter Stundenhalt. Im Südhang des Roccabella steil bergan im Zickzack. Heute sorglos, alle 16 miteinander. Der Schnee ist noch gefroren. Etwa um zwölf Uhr sind wir auf dem Gipfel. Zwei Stunden und vierzig Minuten, so erklärt uns André, haben wir für den Aufstieg gebraucht (reine Gehzeit). Wir schauen 1000m nach Bivio hinab und geniessen in der Wärme unser Mittagessen. Alle zusammentreten, die vordersten in die Knie - Gipfelfoto.
   
    René kurz vor dem Ziel             Vreni bei Ankunft auf dem Gipfel
Strukturspiele von mit Wasser am Boden und in der Luft
 
Aufstieg
 
im Aufstieg zum Roccabella vor dem Piz d'Emmat Dadaint
 
 
 

 

Teilpanorama (SE-S-W-N) vom Roccabella (617KB)

Teilpanorama (N - E - S) vom Roccabella (448KB)

 

Gruppenbild auf Roccabella
 
Vreni und Bert
 
Abfahrt auf traumhaftem Sulz
    Jetzt kommt das Dessert! Die Sterne haben es ja heute nacht versprochen! Firnschnee! Locker gleiten wir über den tragenden, leicht schäumenden Frühlingsschnee hinab. Zuerst steil unter dem Gipfel. Dann traversierend zum Südhang, über den wir aufgestiegen sind. Dann durch das sanfte Emmat-Tal, immer rechts vom Bächlein bleibend, auf die kleine Schutzhütte zu. Hier war noch kaum jemand gefahren. Jacqueline würde am liebsten eine Schwalbe formen, aber das geht nun wirklich besser mit Schlittschuhen. Auch bei solchen Verhältnissen. Ernst versucht es trotzdem. Was macht Ihr dort, ruft Albert fröhlich, runde Schwünge fahrend, einen Royal Turn? Grosses Staunen und Freude sprechen aus den Augen von Bert. Solche Verhältnisse? So kann Frühlings-Skifahren sein? Nein, das habe ich noch nie erlebt! Wir alle jauchzen und wippen mit Leichtigkeit talwärts. Wir haben genau den richtigen Zeitpunkt erwischt!
     
Abschied    
    Auf dem Balkon vom Hotel Guidon geniessen wir einen Abschiedstrunk. Es gäbe in Bivio noch mehr Gipfel zu entdecken, das Hotel sei sympathisch, ob ich nicht gleich wieder buchen wolle? Eigentlich wollte ich nicht mehr, aber wenn so viele gerne wieder mitmachen wollen - dann kann ich es mir ja nochmals überlegen...
Alsbald fahren wir mit unseren Autos talwärts, mit den besten Engadiner-Nusstorten und mit den guten Wünschen von der Familie Guidon im Gepäck.
     
 
Peter
 
 
Bert vor der Abfahrt
       

 

Hilfe zur Tourenplanung:

 

Landeskarten 1:25'000

Skitourenkarten 1:50'000

Blatt 1256 Bivio
Blatt 1276 Val Bregaglia
Blatt 268S Julierpass

 
   

Copyright for all pictures: Claudia Betschart
Last revised: October 08, 2004